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Termine der Fakultät für Informatik

Titel: Masterprüfung mit Defensio, Nabizai Arzo

15.09.2017

15:00 Uhr

Besprechungsraum 4.34, Währinger Straße 29, 1090 Wien

„Eine Modellierungsmethode zur Visualisierung und Analyse
von Gesetzestexten“

Die Bedeutung von rechtlichen Vorgaben in Unternehmen ist enorm gestiegen, nicht zuletzt im Bereich der Informationstechnologie. Gesetzesverstöße in Form von beispielsweise der Nicht-Einhaltung von Hinweispflichten birgen dem Unternehmen Strafen von Abmahnkosten bis hin zu Schadensersatzforderungen (Knackstedt, Brelage und Kaufmann, 2006). Um die Beachtung der entsprechenden Normen in Geschäftsprozessen zu gewährleisten, bedarf es einer genauen Kenntnis der Sachlage und des Rechts. Im Besonderen muss ein Verständnis des Rechts und der entsprechenden Gesetzestexte vorhanden sein, welches gerade für Laien eine große Herausforderung darstellt. Gesetze sind strikt aufgebaut und es existieren präzise Richtlinien, welche von Legisten bei der Arbeit mit Gesetzen eingehalten werden müssen (Bundeskanzleramt, 1990). Die daraus resultierende Struktur der Gesetze offenbart eine ganze Reihe an möglichen Abstraktions- und Gliederungsebenen, angefangen beim Abschnitt und Paragraphen bis hin zu Ziffern und Litera. Unweigerlich tritt die Frage auf, ob Gesetzestexte in ihrer textuellen Form einen adäquaten Überblick liefern und damit optimal zum Verständnis des Inhalts beitragen. Obwohl laut Richtlinie 9 "Rechtsvorschriften [..] leicht lesbar sein" (Bundeskanzleramt, 1990, S. 9) müssen, wird das Studieren einer Rechtsvorschrift weiterhin erschwert, indem eine Vielzahl von Verweise auf andere Gesetze, Paragraphen und Ziffern eine schlechtere Lesbarkeit und zusätzliche Erhöhung der Komplexität bewirken. Gerade in der Wirtschaftsinfomatik ist die Modellierung von Compliance Regelungen ein an Bedeutung gewinnender Bereich (Rinderle-Ma, Ly und Dadam, 2008). Schleicher et al. (2010) betonen, dass bei der Geschäftsprozessmodellierung der Fokus auf eine korrekte Modellierung des Geschäftsprozesses vii Kurzfassung liegt und nicht in der Beachtung von Compliance Regelungen. Genau aus diesem Grund sollte es geeignete Möglichkeiten geben, die Komplexität mit Hilfe von IT-Techniken zu verringern, dem Benutzer zugänglich zu machen und bei der Erstellung von Prozessen zu unterstützen. In der vorliegenden Arbeit wird diese Problematik aufgegriffen und eine Lösung vorgestellt, indem eine Modellierungsmethode für die Visualisierung von Gesetzestexten entwickelt wird. Modelle dienen zur Abstraktion und Generalisierung der realen Welt (Stachowiak, 1973) und können sowohl Menschen als auch Maschinen helfen ein Themengebiet zu verstehen und zu verarbeiten. Aufgrund dieser Eigenschaften spielen sie in der Informatik in unterschiedlichsten Anwendungen eine gewichtige Rolle. Im Falle der in dieser Arbeit entwickelten Modellierungsmethode ist das Ziel, Input für Juristen und Legisten zu liefern und sie bei ihrer Arbeit mit Gesetzestexten zu unterstützen. Im Zuge dessen ist das wesentliche Konzept dieser Arbeit die Möglichkeit zur Erkennung von Qualitätsmerkmalen aus generierten Daten und Metriken sowie die Weitergabe dieser Qualitätsmerkmale in Form von praktikablen Verbesserungsvorschlägen. Aufgrund des visuellen Aspekts kann die erarbeitete Methode zudem auch die Änderung von bestehenden Gesetzen erheblich erleichtern. Das österreichische Rechtsinformationssystem (RIS), welches im Jahre 1980 entstand und seit 1997 online ist, stellt eine Dokumentation des österreichischen Rechts und eine kostenlose Informationsquelle über das Recht für Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung. Mit der vorgestellten Lösung kann auch hier ein besserer Überblick realisiert werden, womit diese Arbeit von aktueller Relevanz und zudem im Interesse der Allgemeinheit begründet ist.

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